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Simon Phillips "Protocol II" -Tour 2014

TOUR AUF FRÜHJAHR 2015 VERSCHOBEN! NÄHERES IN KÜRZE!!!

„Wenn ich zu lange eine Musikrichtung spiele, langweile ich mich.“ Wer so etwas sagt, der ist entweder größenwahnsinnig oder weiß genau, was er kann. Dass Simon Phillips noch nicht einmal ansatzweise zur Hybris neigt, dürfte jedem bekannt sein, der sich in der Musikszene der letzten vier Jahrzehnte auskennt. Denn der gebürtige Engländer mit Wohnsitz Los Angeles gehört zweifelsohne zu den besten Schlagzeugern der Welt, hält sich aber gerne, untypisch für Drummer, im Hintergrund. „Ich weiß, dass es nicht viele Interviews von mir gibt, aber das hat einen einzigen Grund.“

Und der ist triftig: „Ich habe leider zu wenig Zeit.“ Und an diesem Problem hat der 57-Jährige in den letzten Monaten gewissenhaft gearbeitet: Zu Beginn des Jahres hat er überraschend seinen festen Job bei Toto nach 21 Jahren aufgegeben. Es sei Zeit für etwas Neues gewesen, bilanziert er. Es sei auch weder böses Blut geflossen noch habe er irgendwelche Ressentiments gegenüber Steve Lukather und Co., „es war aber nach über zwanzig Jahren der Zeitpunkt gekommen, an dem ich mich wieder ein bisschen um mich selbst kümmern wollte. Das passiert mir ab und zu.“

Der Multiinstrumentalist und Produzent hatte nämlich schon im letzten Jahr mit dem zweiten Protocol-Album eine Herzensangelegenheit wieder belebt: Ein Vierteljahrhundert nach dem ersten Solo-Album gleichen Namens (1988) gibt es nun den von seinen Fans lange geforderten Nachfolger. „Allerdings haben wir das Album zunächst nur digital veröffentlicht; es gab zwar Gespräche mit einer Plattenfirma, aber sie konnte mir nicht zusagen, dass die Scheibe im Vorfeld der letzten Tour herauskommt. Jetzt werden wir wohl im Herbst erscheinen, außerdem wird es eine Vinyl-Ausgabe geben.“ Die physischen Exemplare davon, die während der letzten Jubiläums-Tour im Herbst 2013 verkauft wurden, stammen übrigens alle aus einem Presswerk in Deutschland. Als sein eigener Manager müsse er sich auch um solche Kleinigkeiten selbst kümmern, aber das gehöre nun mal zum Geschäft, lacht er.

Dass er nun freiwillig die großen Arenen gegen kleine Clubs eingetauscht hat, ist für den sympathischen Engländer kein (Ego)Problem, weil „es auf die Musik“ ankomme. Er habe nichts gegen große Produktionen, aber in kleinen Clubs spüre man die Wirkung der Musik auf die Zuschauer viel intensiver und das Gefühl liebe er. Er erinnert sich gern an seine Jazz-Tour mit Steve Lukather vor einigen Jahren, die auch durch kleine Hallen ging.

Apropos: Mit dem nächsten Teil der „Protocol“-Tournee erfüllt er sich einen weiteren Traum. Er habe in den letzten Jahrzehnten zwar mit den bekanntesten und erfahrensten Musikern der Welt zusammengespielt, aber er sei nun einmal sehr wählerisch. Die neue Konstellation hingegen sei für ihn das Nonplusultra, schwärmt er: „Wir haben das letzte Album in knapp fünf Tagen eingespielt, von der Chemie her war das eine der besten Produktionen, an denen ich jemals teilgenommen habe. Es ist ein großartiges instrumentelles Jazz Rock-Album geworden.“ Mit Andy Timmons (Gitarre), Steve Weingart (Keyboards) und Ernest Tibbs (Bass) hat er nicht nur Mit-Musiker mit sehr unterschiedlichen Backgrounds, sondern auch Koryphäen ihres Fachs zusammengebracht. „Sicherlich ist mein Adress- und Telefonbuch ziemlich voll, aber das bleibt nicht aus, wenn man so lange im Geschäft ist wie ich.“

Durch seinen Vater Sid Phillips (gestorben 1973) erhält der Filius eine profunde Ausbildung, die ihn zu einem der variabelsten Schlagzeug-Virtuosen überhaupt machte. „Ich war knapp vier Jahre alt, als ich zum ersten Mal ein Drumkit im Keller unseres Hauses sah. Das war es dann.“ In der Dixieland-Band seines alten Herren lernt er im Alter von Zwölf, mit verschiedenen Stilen zu spielen. Jazz, Blues, Rock, Fusion, ganzheitlicher geht es nicht. Mit 16 Jahren dann bekommt das Multitalent die Möglichkeit, beim Bühnen-Ensemble des Musicals „Jesus Christ Superstar“ mitzuwirken, nach vier Jahren ist der Teenager zu einem der gefragtesten Session-Schlagzeuger Großbritanniens geworden und eine Weltkarriere beginnt. Allein mit der Aufzählung der Alben, auf den Simon Philipps zu hören ist, könnte man mehrere Seiten füllen. Ob er nun bei den Heavy Metallern von Judas Priest aushilft („Sin After Sin“, 1977), mit Kult-Gitarrist Jeff Beck ein herausragendes Album abliefert („There And Back“, 1980), im gleichen Jahr das deutsche „Wunderkind“ Michael Schenker bei der Formierung seiner Michael Schenker Group oder den Songwriter Russ Ballard in seiner kreativen Hochphase unterstützt („Russ Ballard“, 1984) – Simon Phillips ist ein Schlagzeug-Chamäleon, wie es in der Szene wahrscheinlich kein zweites gibt. Er arbeitete und spielte er mit den Who, Mick Jagger, Mike Oldfield, Jon Anderson, Whitesnake, Jimmy Page, Eric Clapton, Steve Winwood, Joe Satriani, Bonnie Tyler, Gary Moore, Asia, Camel, Big Country. Die Liste ist lang und unterschiedlich und besitzt doch einen gemeinsamen Nenner: Das stets perfekte und angepasste, nie im Vordergrund stehende, sondern immer song- und sounddienliche Spiel von Simon Phillips. Wie macht der Mann das bloß? Wie kann man ohne Probleme, von jetzt auf gleich, von Heavy Metal zu Jazz umschwenken, ohne sich zu verbiegen? „Mein Vater hat mir alle Stile beigebracht, er hielt das für wichtig. Es ist nicht ganz so schwierig, wie es aussieht. Wir reden über westliche Musik, nicht über bulgarische Polka oder japanische Volksmusik. Das ist viel komplizierter. Wenn man aus dem Jazz kommt, hat man einen differenzierten Blick auf andere Stile“, erklärt er seine Flexibilität. „Als ich mit Rock anfing, habe ich erst einmal alles vorher Gelernte aus dem Jazz ausgeblendet und einfach lauter gespielt. Heavy Rock in den Siebzigern zum Beispiel wurde nie mit einem besonderen Groove gespielt. So wie heute im Heavy oder Thrash Metal. Also habe ich mir überlegt, wie ein Jazz-Drummer das jetzt wohl spielen würde. Dabei kam ein Rocksound mit Jazz-Technik heraus. Und das ist mein Stil.“ Und der ist gefragt: Als er vor vier Jahren mit Michael Schenker anlässlich dessen 30-jährigen Jubiläums für eine Japan-Tour probt, fällt dem Deutschen auf, dass sie die Stücke des Debüts von 1980 seit Jahren zu schnell spielen. Phillips hat ihn darauf aufmerksam gemacht.
Obwohl Phillips im Laufe seiner Karriere unzählige Angebote bekommen hat, in renommierte Bands einzusteigen, hat er – bis auf Toto – alle abgelehnt. „Aber ich bereue nichts, denn ich weiß, wie ich mich am besten fühle – wenn ich flexibel sein kann.“ Bei Toto konnte er sich auch als Produzent austoben, die musikalische Bandbreite der Band fasziniert ihn heute noch. Und seitdem er 1992 nach Los Angeles gezogen ist und sich dort sein eigenes Studio (Phantom Recordings) aufgebaut hat, ist er sowieso wunschlos glücklich. „Es gibt zwar noch einige Musiker, mit denen ich gerne zusammen spielen würde, aber die meisten von ihnen sind schon längst tot, zum Beispiel Joe Zawinul von Weather Report. Das ist schade.“

Auf der kommenden Europa-Tour wird es neben den Stücken der beiden „Protocol“- und der anderen Solo-Alben übrigens wahrscheinlich auch das eine oder andere neue Werk zu bestaunen geben. „Ich hoffe, dass wir das hinbekommen, denn wir möchten den Leuten etwas Neues bieten. Wir spielen auch jeden Abend andere Versionen der Songs.“
Wohl auch aus eigenem Interesse. Man könnte sich ja sonst langweilen…

Jörg Staude (Classic Rock, Rock Hard)

 

Oktober 2014: Simon Phillips LIVE
14.10. - Ampere, Munich (DMC)
15.10. - Harmonie, Bonn (DMC)
19.10. - Domicil, Dortmund (DMC)
21.10. - Colossal, Aschaffenburg (DMC)
22.10. - Kesselhaus, Berlin (Shooter Promotions)
23.10. - MusicHall, Worpswede (DMC)
24.10. - Fabrik, Hamburg (Shooter Promotions)
27.10. - Bergkeller, Reichenbach (DMC)

 

Material zum Downloaden gibt's hier: